Vorbeiziehen

Vorbei ziehn an mir
die Lichter dieser Welt 
während ich nebenan sitze
still starre

und alles was mich hält
sind die Erinnerungen
an eine Welt
an der ich teilhabe 

die mit mir zieht
nicht von mir

-theereesii

4 Kommentare

  1. Ein sehr melancholisches Gedicht, finde ich!

    Entfremdung, Einsamkeit, Fremdheit, Ausgeschlossensein, Bedauern … das sind die Assoziationen, welche die Verse in mir wecken. Und das Ende der ersten Strophe ruft in mir die Frage auf, ob das lyrische Ich tatsächlich nicht mehr an der Welt handelnd teilnimmt oder vielmehr emotional sich von ihr verabschiedet hat? Ist es eine bewußte und absichtsvolle Trennung, oder ist vielmehr die Gefühlsverbindung zu der Welt da draußen verlorengegangen?

    Die zweite Strophe schließlich finde ich besonders melancholisch, bringt sie doch zum Ausdruck, daß es dem lyrischen Ich einmal anders erging, daß es einmal sich als Teil der Welt erlebte und sich nicht nur nach dieser Teilhabe sehnen mußte. Was wiederum die Frage aufruft, wodurch diese Teilhabe verlorenging …

    Irgendwie muß ich dabei an die „Unzeitgemäßen Betrachtungen“ Friedrich Nietzsches denken. Mag dieses Gedicht vielleicht die Gedanken einer unzeitgemäßen Person ausdrücken?

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    1. Durch Entfremdung hat sich das lyrische Ich gefühlstechnisch von der Welt getrennt. Die Welt wird nur noch von außen gesehen, aber die Verbindung dazu ist getrennt. Die Welt wirkt wie ein Film, in dem man keine Rolle mehr spielt, den man nur noch als Beobachtender wahrnimmt, ohne einen Zugang zu haben. Dies steht im Gegensatz zu einer Zeit zuvor, in der auch das lyrische Ich ein aktiver Teil der Welt war, die Welt fühlte. Vielleicht fühlt das lyrische Ich die Welt nun nicht mehr, weil es gar nichts mehr fühlt. Daher ist eine große Distanz zwischen dem lyrische Ich und der Welt entstanden und diese scheint irreversibel zu sein. Ich denke dabei oft an die Situation im Zug, in dem man sitzt und die Welt draußen nur in schnellen Zügen vorbeiziehen sieht, ohne eine Verbindung zu dem, was man dort sieht zu haben.
      In gewisser Weise ist dies sicherlich aus Sicht einer unzeitgemäßen Person gemeint, sodass zu der Zeit, in der sich die Person befindet, keine Verbindung mehr besteht, kein Bezug, kein Gefühl.

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      1. Vielen Dank für Deinen Antwortkommentar, Theresa!

        So vertieft sich, finde ich, noch das Verständnis des Gedichts. Und es regt überdies zu weiteren Fragen und Gedanken an. So frage ich mich, welchen Wandel in der Welt das lyrische Ich wohl für den Verlust seiner Verbindung zu ebendieser Welt veranwortlich machen würde? Ist es der überpersönliche Zeitenlauf oder rührt jener Weltverlust doch von einer persönlichen Erfahrung her?

        Es wäre spannend, vielleicht durch ein weiteres Gedicht eine Ahnung möglicher Antworten auf diese Fragen zu erhalten.

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