Verblassen

Flieh in die Masse 
In der alles verblasst 
Und ich nur eine von Vielen bin
Die versucht alles auf einmal zu gewinn' 

Doch brauchen wir
Nicht viel mehr nur uns selbst?
Um zu bewahren
Dass alles zerfällt?

-theereesii

1 Kommentar

  1. Dieses Gedicht scheint mir eher existentiellen Charakters zu sein, insofern als es die allgemeinmenschliche Motivation unseres Handelns – insbesondere im Zeitalter der Masse – hinterfragt. Worauf setzen wir für unseren Erfolg? Wollen Teil des Schwarms sein, um so durch möglichst wenig eigenes Zutun – vermeintlich sicher und unauffällig – ans Ziel zu gelangen? Oder setzen wir uns ab, geben uns als Individuum zu erkennen und handeln selbstbestimmt gegen den Strich?

    Einstmals hätte unsere Handlungsweise an diesem Punkt vielleicht darüber entschieden, wer als Hasenfuß galt und wer zum Helden wurde. Aber in unseren post-heroischen Zeiten spielt diese Unterscheidung natürlich keine Rolle mehr. Prosperität scheint mittlerweile über alles zu gehen, und auch für das lyrische Ich scheint die Gewinnabsicht im Vordergrund zu stehen, wie der letzte Vers der ersten Strophe nahelegt.

    Von besonderem Interesse ist vor diesem Hintergrund die zweite Strophe, die noch dieses Motiv der Gewinnabsicht durch das Mitlaufen in der Masse hinterfragt. Könnte es sein, daß auch dieses letztlich gewissermaßen von einem – jedenfalls so empfundenen – Selbstverlust herrührte? Daß die Entindividualisierung in und Orientierung an der Masse letztlich zu verstärkter Unsicherheit führten? Einer – im Wortsinne – Selbst-Unsicherheit?

    Diese Spannung zwischen den beiden Strophen verleiht dem Gedicht eine besonders eindringliche Wirkung!

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